Wie Julia von der Akademie in die Industrie wechselte

Gesucht, Gefunden!

Wann und wie sind Sie aufeinander aufmerksam geworden?

Julia ZwirchmayrIch wurde 2022 von der Universität Wien für das High Potential-Programm "NaturTalente“ nominiert. Der Schwerpunkt lag in diesem Semester auf Life Sciences und hatte zum Ziel, angehende Absolvent*innen der Lebenswissenschaften mit der Industrie zu vernetzen. Das NaturTalente-Programm hat uns somit die Chance gegeben, mit potenziellen künftigen Arbeitgeber*innen in Austausch zu treten und uns direkt mit den Mitarbeiter*innen zu vernetzten. Durch die Site-Visits konnten wir uns ein gutes Bild von den einzelnen Unternehmen machen und deren Schwerpunktbereiche, aber auch Werte und Strukturen vorab jeglicher Bewerbung kennenlernen. Eines der sieben Unternehmen, die sich  im Zuge des NaturTalente-Programms vorgestellt haben, war GlaxoSmithKline (GSK). Das Unternehmen hat mich beeindruckt und im Anschluss an das Programm habe ich mich gezielt und bewusst dort beworben.

Simon Schultze: Wir haben 2022 beim NaturTalente-Programm teilgenommen und beim GSK Tag durften wir einige interessierte Studierende bei uns im Büro begrüßen. Julia hat uns beim Abschlusstag vom NaturTalente-Programm ihr Interesse an GSK gezeigt. Unter den Kandidat*innen der ausgeschriebenen MSL Stelle ist mir Julias Bewerbung mit den tollen Bewerbungsunterlagen und Ihrer Teilnahme am NaturTalente-Programm gleich positiv aufgefallen.

Wie haben Sie das NaturTalente Programm empfunden?

Simon Schultze: Es ist ein wirklich tolles Programm, welches den Studierenden ermöglicht sich über Karrierewege außerhalb der akademischen Laufbahn zu informieren. So haben sie die Möglichkeit direkt mit Mitarbeiter*innen der Pharmaindustrie zu sprechen und können sich ein gutes Bild machen ob und welche Jobprofile in der Pharmaindustrie für sie in Frage kommen. Sie können Fragen über die diversen Jobprofile stellen und sich darüber informieren was eine gute Bewerbung ausmacht. Die Studierenden haben uns die selben Fragen gestellt, welche ich hatte, als ich den Entschluss gefasst habe in die Pharmaindustrie zu wechseln. Es bereitet mir Freude, meine Erfahrungen zu teilen und hoffe so, die Studierenden bei der Berufswahl unterstützen zu können.

Welchen Job haben Sie? Können Sie uns Ihre Tätigkeit kurz beschreiben?

Julia ZwirchmayrIch arbeite nun als Medical Scientific Liaison (MSL). Es handelt sich dabei Großteils um einen Außendienstjob, bei dem der medizinisch-wissenschaftliche Austausch mit externen Expert*innen und Angehörigen des Gesundheitssystems im Mittelpunkt steht. Als MSL informiert man z.B. Fachärzt*innen in einem bestimmten Therapiebereich über neue innovative Wirkstoffe, präsentiert rezente Studienergebnisse und holt die Fachmeinung der Ärzte dazu ein. Ebenso sind die Planung und Durchführung von medizinischen Veranstaltungen und Fortbildungen ein wichtiger Aspekt der Tätigkeit. Im Vergleich zu einem Sales Representative/Key Account Managers bin ich nicht für den Verkauf eines Produktes zuständig, sondern für den wissenschaftlichen Informationsfluss zwischen Ärzt*innen und GSK.

Simon Schultze: Ich bin als Country Medical Director für GSK in Österreich tätig und habe die Verantwortung für das gesamte Medical Team. Ganz kurz zusammengefasst beinhalten die Aufgaben Team Management, Planung und Ausführung der Medical Strategie in unseren vier Therapiegebieten (Specialty Care, HIV, Onkologie und Impfstoffe), Markteinführungen, klinische Studien, Einhaltung interner und gesetzlicher Vorgaben sowie Sicherstellung der Patient*innensicherheit.

Wie beeinflusst Ihre Arbeit das tägliche Leben? Wo sehen Sie Ihre Wirkung in der Gesellschaft?

Julia ZwirchmayrNach fünf Jahren akademischer Forschung in einem Labor finde ich es nun besonders spannend, am anderen Ende der Wirkstoff/Produkt-Pipeline zu arbeiten: an diesem Ende stehen schlussendlich die Patient*innen im Vordergrund. So versuchen wir durch den Austausch mit Ärzt*innen die aktuelle Behandlungsrealität der Patient*innen zu verstehen, mögliche Evidenzlücken im Therapiebereich zu identifizieren und Verbesserungsmöglichkeiten in Form von medizinischen Fortbildungen oder Disease Awareness Programmen zu fördern.

Simon Schultze: Unser Portfolio und unsere Pipeline bieten innovative Medikamente und Impfstoffe in Bereichen wo ein hoher medizinischer Bedarf besteht. Die Medikamente können das Leben der Patient*innen signifikant verbessern und verlängern. Unsere Impfstoffe bieten Schutz vor teils lebensbedrohlichen Infektionskrankheiten und vor potenziell stark beeinträchtigenden Folgeerscheinungen. Unser Ziel ist es, bis Ende 2030 die Gesundheit von 2,5 Milliarden Menschen weltweit positiv zu beeinflussen. Ebenso hat GSK das Ziel stetig den Zugang zu unseren Medikamenten und Impfstoffen in einkommensschwachen Ländern zu verbessern. GSK hat zum achten Mal in Folge beim Access To Medicine Index (ATMI) den ersten Platz belegt. Es ist spannend, Geschichten von Betroffenen zu hören und welchen positiven Einfluss wir für Patient*innen in Österreich haben. Dies gibt mir Motivation für die tägliche Arbeit. 

Was hat Sie im Jobinterview überzeugt?

Julia ZwirchmayrIch hatte ein mehrstufiges Bewerbungsverfahren mit verschiedenen Mitarbeiter*innen, wodurch ich einen noch besseren Einblick in die Unternehmenskultur und das Team erlangen konnte. Während des gesamten Prozesses habe ich mich wohl- und wertgeschätzt gefühlt. So hat sich Simon bei meiner zweiten Runde sehr viel Zeit genommen, um auf meine Fragen einzugehen. Es hat sich einfach richtig angefühlt, hier arbeiten zu wollen. Im Anschluss an das Bewerbungsverfahren hatte ich außerdem noch die Möglichkeit, mit zwei erfahrenen MSL-Mitarbeiter*innen zu sprechen, um aus erster Hand vom Berufsalltag eines MSL zu erfahren.  

Simon Schultze: Julia hatte sich super auf das Jobinterview vorbereitet. Sie wusste, was die täglichen Aufgaben eines MSLs sind und hat bei der Aufgabe, einen Kurzvortrag zu geben überzeugt. Die Kommunikationsstärke ist für MSLs, die täglich mit Kund*innen interagieren, ganz wichtig. Julia ist sehr professionell aufgetreten und hat zusätzlich Ihre lockere Art gezeigt. So hat sie ein nettes und natürliches Gespräch mit klaren Antworten und guten Gegenfragen geschaffen.

Welches Rüstzeug hat Ihnen die Universität Wien mit auf den Weg gegeben?

Julia ZwirchmayrDurch mein Studium der Pharmazie an der Universität Wien habe ich gelernt, mich in multidisziplinäre naturwissenschaftliche Themen einzuarbeiten. Eine selbstständige und lösungsorientierte Arbeitsweise konnte ich mir vor allem während des Doktorats und der Post-Doc Zeit aneignen. Außerdem aber haben mir meine Tätigkeiten in der Lehre und die Teilnahmen an (inter-)nationalen Kongressen das Rüstzeug gegeben, wissenschaftliche Inhalte zu transportieren – was für meinen gegenwärtigen Job unerlässlich ist.

Welche Skills zeichnen Absolvent*innen der Universität Wien aus?

Simon Schultze: Generell zeichnen sich gute BewerberInnen durch Motivation, Kommunikationsstärke und Teamfähigkeit aus. Während der Ausbildung auf der Universität Wien lernt man neben der Wissenschaft ebenso eigenständiges, lösungsorientiertes und fokussiertes Arbeiten, analytisches Denken, verständliche Darstellung komplexer Sachverhalte, Flexibilität und Resilienz. Das sind ganz wichtige Skills für die tägliche Arbeit bei uns im Medical Team und das bringen die meisten Absolvent*innen der Universität Wien mit.

Und wann ist die Entscheidung gefallen, dass Sie Ihren aktuellen Beruf ausüben möchten?

Julia ZwirchmayrDie Entscheidung von der Akademie in die Industrie zu wechseln, fiel noch während des NaturTalente-Programms. Obwohl ich durch mein Studium eine gewisse Grundvorstellung von der Pharmaindustrie hatte, war mir das Berufsbild eines MSL komplett neu. Die Entscheidung, mich gezielt bei GSK zu bewerben, fiel direkt nach dem Kennenlernen des Unternehmens und meiner jetzigen Kolleg*innen.

Vom Hörsaal rein in die Praxis: Was ist anders?

Julia ZwirchmayrIn den letzten Jahren habe ich viel Zeit im Labor verbracht und habe meine Freizeitgestaltung von meinen Analysen und Experimenten abhängig gemacht. Obwohl ich diese Zeit nicht missen möchte, schätze ich nun die Flexibilität und Diversität der MSL Rolle. Den größten Teil der Zeit verbringt man sicherlich mit persönlichen Kund*innenkontakten und den damit verbundenen Dienstreisen. Natürlich fällt auch Büroarbeit an, z.B. zur Dokumentation der Interaktionen, Planung von Veranstaltungen oder Online-Schulungen. Kurzum: einen typischen Arbeitsalltag gibt es nicht, was den Job für mich so spannend macht!

Was hat sich im Berufsumfeld getan, seit Sie Einsteiger*in waren?

Simon Schultze: Wir bemerken zunehmend einen Mangel an Fachkräften in allen Bereichen, wie Marketing, Sales, Market Access und Medical. Bis jetzt haben wir immer die richtigen Kandidat*innen gefunden und ein tolles Team. Aber es wird zunehmend schwerer. Das ist natürlich für Arbeitnehmer*innen und Neueinsteiger*innen vom Vorteil. Für Neueinsteiger*innen aus der Wissenschaft ist es sicher einfacher geworden einen Job in der Pharmaindustrie zu finden als noch vor sieben Jahren.



Julia Zwirchmayr hat 2022 das Doktoratsstudium für Pharmazie an der Universität Wien abgeschlossen und im Anschluss als Post-Doc am Department für Pharmazeutische Wissenschaften gearbeitet. Seit Dezember 2022 ist sie bei GSK als Medical Scientific Liaison beschäftigt.

 


Simon Schultze hat bis 2009 Biologie an der Universität Wien studiert, 2014 an der Uni Basel promoviert und im Anschluss 2 Jahre als Post-Doc an der Med Uni Wien gearbeitet. 2016 hat er bei GSK als MSL angefangen und ist seit 2019 Country Medical Director.